100 Jahre
Unsere Präsidenten ab 1964
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1964 Dietschi Georg -
1979 Engler Thomas und 1995 Klausberger Viktor -
2023 Geldmacher Tobias
Nicht die Besten, aber mit Sicherheit die Geselligsten
Von Marino Walser Die Schützengesellschaft Rorschacherberg feiert hundert Jahre. Ein Blick in die Geschichte zeigt: die Kameradschaft trotzt jedem Gegenwind.
Schiesssport Als die Schützengesellschaft Rorschacherberg 1926 gegründet wurde, war die Ostschweiz nicht flächendeckend mit Strom versorgt. Geschossen wurde damals auf dem Sulzberg. Heute produzieren viele Häuser der Region ihren Strom selbst mit Solarpanels auf dem Dach, und die Schützinnen und Schützen trainieren im Witen, auf einer Anlage, die in diesem Jahr frisch erneuert wurde. Zwischen diesen beiden Bildern liegt ein Jahrhundert, welches der Verein nun feiert.
Präsident Tobias Geldmacher, seit 2023 im Amt, findet gerade diese Zeitspanne eindrücklich. Ein Jubiläum von hundert Jahren sei im Vergleich zu manch anderem Verein zwar «jung», dafür aber greifbar. Wer sich vorstelle, wie die Vereinsmitglieder 1926 unterwegs waren, komme schnell ins Staunen. «Für mich persönlich ist das Jubiläum vor allem eine Freude am Gedanken, dass etwas geschaffen wird, das Generationen überlebt, und gleichzeitig eine Chance, zurück und vorauszublicken.»
Von Wehrhaftigkeit zur Geselligkeit
Gegründet wurde die Schützengesellschaft Rorschacherberg zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg, geprägt vom Karabiner 11 und verschiedenen Entwicklungsstufen des Langgewehrs 89. Wehrhaftigkeit und kameradschaftliche Geselligkeit seien am Anfang im Verein im Zentrum gestanden. «Diese Werte sind heute wieder gefragt», sagt Geldmacher, «wobei die Wehrhaftigkeit für mich persönlich in den Hintergrund gerückt ist. Die heutige Art, Kriege zu führen, hat mit dem Schiesssport, wie ihn der Verein lebt, kaum mehr etwas zu tun.»
Geblieben ist dafür etwas anderes. Schiessen als eine Art autogenes Training, mit hoher Konzentration, kontrollierter Atmung, kontrollierter Körperhaltung und einem befreiten Geist. Wer eine Sechs schiesse, könne das nicht mehr ändern, sagt Geldmacher. «Wichtig ist, den Fehlschuss zu vergessen und sich auf den nächsten Schuss zu konzentrieren, damit dieser besser wird.» Einige Etappen des Vereins lassen sich an Jahreszahlen festmachen. 1972 wurde die gemeinsame Schiessanlage im Witen in Betrieb genommen, davor wurde auf dem Sulzberg geschossen. 2019 mobilisierte der Verein gegen das neue Waffengesetz, dessen Auswirkungen auf die Sportschützen am Ende glücklicherweise kleiner ausfielen als befürchtet. Und in diesem Jahr, 2026, durfte die Schütengesellschaft die erneuerte Schiessanlage in Betrieb nehmen, pünktlich zum Jubiläum.
Auch die Wechsel an der Vereinsspitze haben ihre Spuren hinterlassen.
Auf George Dietsche folgte 1979 Thomas Engler, 1995 übernahm Viktor Klausberger, seit 2023 amtet Tobias Geldmacher. Von aussen werde das vielleicht unterschätzt, sagt Geldmacher. «Doch mit jedem neuen Präsidenten ändern sich Arbeitsweisen, Ideen werden aufgenommen, alte Abläufe hinterfragt, berarbeitet, beibehalten oder abgeschafft.» Neue Vorstandsmitglieder brächten oft eine Verjüngung mit sich und damit andere Ansichten. Bemerkenswert findet er dabei: «Wie offen die älteren Kameradinnen und Kameraden gegenüber dem Verständnis der jüngerenGeneration sind, und wie wenig Toleranz die Jungen manchmal umgekehrt aufbringen.»
Statuten von 1926
Rund 30 Mitglieder zählt die Schützengesellschaft Rorschacherberg heute. Ihre Statuten stammen noch aus dem Gründungsjahr 1926 und wurden nie angepasst. Wer ohne Vereinsabzeichen erscheint, zahlt somit noch heute eine Busse von zwanzig Rappen. Wer in den Vorstand gewählt wird, bleibt mindestens zwei Jahre, wie es die alten Statuten vorsehen.
Verändert habe sich der Schiesssport trotzdem. Das dynamische Schiessen und das Schiessen auf weite Distanzen boomen laut dem Präsidenten, während das klassische, sportliche Schiessen, wie es der Verein pflegt, an Zulauf verliert. Verändert habe sich auch die Jungschützenausbildung, die früher in jedem Verein einzeln organisiert wurde und heute zentral im Witen stattfindet. Geblieben ist die Kluft zwischen Alt und Jung, aber auch das Miteinander über diese Kluft hinweg.
Was die Schützengesellschaft Rorschacherberg besonders macht, ist für Geldmacher nicht in erster Linie das Schiessresultat. «Wir sind die Besten, aber nicht die Besten», sagt er und meint damit die Kameradschaft und fügt hinzu: «Unser Verein hat die besten Mitglieder. Vielleicht nicht beim Zielen, aber sicherlich beim Zusammensitzen.» Ob diese Aussage den Präsidenten beim nächsten Zusammensitzen eine Runde kostet, bleibt offen.
Klar aber ist: der Verein lebt die Geselligkeit nicht nur in den eigenen Reihen aus, sondern auch bei Freundschaftsschiessen mit Muolen-Oberegg und Ochsenweid oder beim Oktoberfestschiessen mit anderen Vereinen. Aber auch gernen in der eigenen Schützenstube, die das Wirtepaar Martin und Ruth Laub führt. «Man hört häufig, dass wir die ersten und oft die letzten am Fest sind», erzählt Geldmacher nicht ohne Stolz.
Dass zwischen den Generationen dabei kein Blatt Papier passt, zeigt eine Geschichte, die im Verein bis heute erzählt wird. «Bei einer Übernachtung im Baumhaus verabredete sich eine Gruppe für einen Streich und führte ihn morgens um halb zwei Uhr aus. Sie taten so, als würden sie das Baumhaus fällen, in dem ich schlief. Schnell fand ich mich mit Herzrasen und in Unterhosen im Garten des Kameraden wieder. Herzhaft gelacht wurde danach von Jung und Alt gleichermassen», so Geldmacher.
Waffen für alle, ohne Lizenz
Zum Jubiläum verzichtet die Schützengesellschaft bewusst auf ein grosses Fest. Im Zentrum steht das Schiessen selbst. Und trotzdem öffnet sich der Verein am Wochenende des 14. und 15. Augusts der Öffentlichkeit auf eine besondere Art. Wer teilnehmen möchte, bekommt vom Verein ein Gewehr für 22 Franken gestellt, ganz ohne Lizenz. So soll der Schiesssport für Menschen erlebbar werden, die sonst keinen Zugang dazu hätten, und neu oder wieder Freude daran finden. Wer danach Interesse zeigt, kann zwei oder drei Trainings kostenlos besuchen. Wichtig ist der Schützengesellschaft dabei nicht die grösstmögliche Zahl an neuen Mitgliedern, sondern dass wer kommt, auch wirklich bleibt. Geldmacher betont, dass Schiessen nichts mit Rowdytum zu tun habe. Es gehe
nicht um John Waynes im Schützenstand, sondern um Selbstdisziplin, Konzentration, das Zur-Ruhe-Kommen und einen verantwortungsvollen Umgang mit Waffen.
Dank an verschiedene Player
Der Verein bedankt sich bei der Gemeinde und den Sponsoren für die finanzielle Unterstützung und bei der Bevölkerung für das Verständnis, wenn während der Trainings geschossen wird und Wege gesperrt sind.
Besonders viel Einsatz für das Jubiläum hat Peter Thür, der Pistolenchef des Vereins, geleistet. Von den Sponsoringanfragen über die Helfershirts bis zum Druck der Schiessbüchlein und Flyer, wirkte er überall mit. Auch andere Schützenvereine der Region haben ihre Hilfe angeboten. «Allen gebührt ein grosser Dank», so Geldmacher.
Der Blick nach vorn
Wie viele Schützenvereine kämpft auch die Schützengesellschaft Rorschacherberg mit der Überalterung. Einige Mitglieder sind Mitte achtzig, manchen fällt selbst das Liegen beim Schiessen mittlerweile schwer. Im Vorstand wurde bereits besprochen, dass Austritte in den kommenden Jahren zunehmen könnten, so wie letztes Jahr, als Paul und Beni Hüttenmoser nach jeweils rund 60 Jahren Mitgliedschaft den Verein verliessen. Gleichzeitig ist es schwierig, jüngere Menschen und Funktionäre für den Verein zu gewinnen.
Für die Zukunft wünscht sich der Präsident, dass der Verein weiter bestehen kann, notfalls auch als Schiessgemeinschaft mit anderen Vereinen im Witen. Für die nächste Generation wünscht er sich vor allem, dass sie den Wert auf persönliche, gesellige Erlebnisse weiterhin hochhält. Es gebe nichts Schöneres, als gemeinsam eine gute Zeit zu verbringen, sei es mit der Familie, mit Freunden oder, wie bei den Schützen, mit Kameradinnen und Kameraden.